Inside Partnerschaften2030

In einer Welt, die als brüchig, ängstlich, nicht-linear und unverständlich charakterisiert werden kann (kurz: BANI), wird es zunehmend wichtiger, effektiv mit verschiedenen Stakeholdern zu kooperieren, um gemeinsame Ziele zu erreichen und die Zukunft zu kreieren, die wir uns vorstellen.

Möglicherweise haben Sie bereits vom Konzept VUCA gehört, welches aussagt, dass die Welt, in der wir leben unbeständig (volatil), unsicher (uncertain), komplex (complex) und mehrdeutig (ambiguous) ist. Kürzlich habe ich einen Artikel gelesen, dessen Aussage ist, dass das Konzept VUCA klar, wachrufend und zunehmend obsolet sei. Der Autor, Jamais Cascio, stellt ein neues Rahmenwerk mit einer bewussten Parallele zu VUCA vor: BANI. Er argumentiert auf überzeugende Weise, dass das System und die Situationen, denen wir im Moment begegnen als brüchigängstlich (oder angsteinflößend), nicht-linear und unverständlich charakterisiert werden können.

Ich werde nicht wiederholen, was er geschrieben hat, und empfehle eher, seinen Artikel zu lesen. Nichtsdestotrotz hier eine kurze Zusammenfassung für alle ungeduldigen Leser*innen. Brüchige Systeme scheinen stabil zu sein, bis zu dem Punkt, an dem sie völlig zusammenbrechen. Ein offensichtliches Beispiel sind globale Lieferketten, die, getroffen von der Covid-19-Pandemie, zu plötzlichen Verzögerungen und Mängeln geführt haben, die niemand erwartete. Die schnelle Geschwindigkeit von Veränderungen und Bedrohungen, der die Menschheit begegnet, sind für viele von uns angsteinflößend. Sukzessive Ereignisse, die aktuell von Statten gehen, tun dies auf eine Art, die schwer vorherzusehen oder überhaupt gänzlich zu verstehen ist, da es schwierig ist, die Verbindung von Ursache und Effekt klar, schnell und im Detail zu erkennen. Dies trifft beispielsweise auf internationale Finanzsysteme, pandemische Infektionsraten und globale Klimakrisen zu. Würde man viele moderne Prozesse in einen Graphen zeichnen, würde dieser nicht-linear verlaufen. Diese Fakten, kombiniert mit der Komplexität moderner Systeme, lassen große Teile unserer Realität für uns selbst unverständlich erscheinen.

Auf Augenhöhe zum Gemeinwohl

Warum schreibe ich hierzu? Teils weil ich glaube, dass wir in den kommenden Jahren möglicherweise weiter über BANI sprechen werden. Vielleicht kann ich auch einen Beitrag dazu leisten, eine Idee weiter zu verbreiten, die es wert ist erwägt zu werden. Hauptsächlich schreibe ich diesen Text, weil ich Verbindungen zu meiner Arbeit im Bereich Partnerschaften und insbesondere Multi-Akteurs-Partnerschaften (MAP) sehe. Das Projekt, welches ich leite, unterstützt und berät Partnerschaften und definiert MAP als eine Art der Kooperation zwischen Stakeholdern aus mindestens drei Sektoren (wie Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft), die im Rahmen eines organisierten Langzeit-Engagements und auf Augenhöhe zum Gemeinwohl beitragen. MAP sind eine Form der strukturierten Kooperation, jedoch teilen auch andere Kooperationsformen, wie Netzwerke, öffentlich-private Partnerschaften und Konsultationen einige grundlegende Eigenschaften wie die Notwendigkeit von guter Kommunikation, Vertrauen und gemeinsamen Zielen.

Eine weitere Gemeinsamkeit ist, dass solche verschiedenen Arten von Partnerschaften immer relevanter und notwendiger in einem BANI-Kontext sind. Systeme, die brüchig, ängstlich (oder angsteinflößend), nicht-linear und unverständlich sind, erfordern Kooperation, um besser bewältigt werden zu können. Das ist der Grund, warum das BANI-Rahmenwerk die zunehmende Notwendigkeit von MAP und anderen Arten von Partnerschaften unterstreicht.

Resilienz und Flexibilität

In seinem Artikel schlägt Jamais Cascio mögliche Reaktionen auf jede der vier Elemente vor: „Brüchigkeit könnte mit Resilienz und Flexibilität begegnet werden; Angst kann mit Empathie und Achtsamkeit gemildert werden; Nicht-Linearität braucht Kontext und Flexibilität; Unverständnis verlangt nach Transparenz und Intuition.“ Ich würde hinzufügen, dass diese Reaktionen auch ein Leitstern für Partnerschaften sind. Lassen Sie uns einen genaueren Blick auf die vier Elemente und Reaktionen werfen.

Steht man einem brüchigen System gegenüber, können Resilienz und Flexibilität hilfreich sein, um resistenter gegen unerwartete Schocks zu werden oder um diese besser aufzufangen. Wenn man kooperiert, übernehmen verschiedene Partner*innen verschiedene Rollen, was von Natur aus Resilienz und Flexibilität schafft, denn wenn ein*e Partner*in aus irgendeinem Grund ausfällt oder nicht in der Lage ist, seine/ihre Rolle zu einem bestimmten Zeitpunkt zu erfüllen, dann ist es wahrscheinlicher, dass ein*e andere*r Partner*in einspringen und die Lücke füllen kann, mit weniger Störungen als es ohne Partnerschaft möglich wäre. Kürzlich haben wir gravierende Unterbrechungen in Lieferketten gesehen. Gäbe es Liefernetzwerke, gäbe es weniger Abhängigkeit von einem einzelnen Punkt im System und dadurch mehr Flexibilität und Resilienz. Liefernetzwerke mit mehreren Stakeholdern benötigen eine starke Kooperation oder sogar eine formalisierte Partnerschaft. Da ich mit vielen Partnerschaften gearbeitet habe, die jeweils unterschiedliche Stakeholder umfassen, würde ich abschließend behaupten, dass diese Vielfalt Kreativität ermöglicht, die wiederum zur Stärkung der Resilienz beiträgt, indem sie die Entwicklung innovativer Lösungen für entstehende Herausforderungen ermöglicht. Diese Lösungen wären möglicherweise nicht ohne vorherige Kooperationsmechanismen gefunden worden und sie dienen ebenfalls zur Erhöhung von Resilienz.

Empathie und Achtsamkeit

Sind wir ängstlich, kann es helfen mit Empathie und Achtsamkeit zu agieren. Innerhalb von MAP lernen Individuen andere Individuen und dadurch andere Organisationen und deren Logik kennen. In der Regel führen solche Interaktionen zu einem deutlich höheren Verständnis füreinander. Vor einigen Jahren lernte ich in Kenia den Begriff Ubuntu kennen, der mit „Ich bin, weil du bist“ übersetzt werden kann. Ubuntu wird erhöht, indem man in Partnerschaften mit verschiedenen Individuen und Organisationen zusammenarbeitet, und durch die Kooperation mit verschiedenen Stakeholdern erhöht sich auch unsere Empathie und idealerweise auch unsere Achtsamkeit. Innerhalb von Partnerschaften sind gute Kommunikationsfähigkeiten für den Erfolg der Partnerschaft unerlässlich, sowohl wenn es darum geht sich selbst auszudrücken als auch beim guten Zuhören. Zuhören ist eindeutig mit Empathie und Achtsamkeit verbunden, folglich wird das Aufbauen und Nutzen dieser Fähigkeiten in MAP ein wichtiger Weg für uns sein, um mit der angsteinflößenden Welt, in der wir leben zurecht zu kommen.

Für den Umgang mit Nichtlinearität kann es hilfreich sein, den Kontext zu betrachten und Flexibilität zuzulassen. Kontext und Flexibilität sind aufgrund der natürlichen Gegebenheiten innerhalb von Partnerschaften bereits in der DNA von MAP zu finden. Aufgrund der Tatsache, dass die Themen, die von MAP behandelt werden, komplex und Partner*innen verschieden sind, spielt der Kontext stets eine große Rolle. In den vergangenen Jahren habe ich beobachtet, dass Partnerschaften erfolgreich sein können, wenn es Partner*innen gelingt, flexibel auf sich verändernde Umstände zu reagieren, auch wenn es kein leichtes Unterfangen ist, wenn viele große Organisationen an formalen Steuerungsprozessen zur gemeinsamen Entscheidungsfindung beteiligt sind. Solche Partnerschaftsstrukturen helfen Organisationen, Individuen und Systemen, besser darin zu werden, Prozesse und Strukturen zu gestalten, die den Kontext berücksichtigen und Flexibilität zulassen. Diese Fähigkeiten sind für Partnerschaften essentiell und ebenso hilfreich für Individuen und Organisationen. Innerhalb von Partnerschaften lernen und praktizieren wir, dass es notwendig ist, den Kontext miteinzubeziehen und flexible Systeme zu schaffen, und wir sollten solche Funktionen bewusst ermöglichen.

Transparenz und Intuition

Erscheint eine Situation unverständlich, können Transparenz und Intuition helfen. Innerhalb von Partnerschaften ist Transparenz ein Schlüsselelement, um Vertrauen herzustellen, was wiederum ein wichtiger Erfolgsfaktor für Kooperation ist. Die Gewohnheit, größtmögliche Transparenz zuzulassen, wird in Partnerschaften geübt und ist hilfreich in Bezug auf das BANI-Rahmenwerk.

Abschließend möchte ich eine kühne Hypothese wagen: Über die Zeit werden Individuen in effektiven Partnerschaften mit einem hohen Niveau an Vertrauen und Transparenz zunehmend intuitiv wissen, welche Ideen und Vorschläge funktionieren und welche nicht. Partnerschaften helfen uns unsere Intuition zu trainieren, was sowohl für die effektive Arbeit innerhalb von Partnerschaften als auch darüber hinaus hilfreich ist.

Ich glaube, dass der BANI-Rahmen, wenn er angenommen und in unsere Systeme integriert wird, unsere Fähigkeit zur erfolgreichen Bewältigung der anstehenden Herausforderungen stärken wird. Effektive Partnerschaften passen gut in das BANI-Rahmenwerk. Gemeinsam können das Rahmenwerk und der kooperative Ansatz einen weiten Weg gehen, um uns dabei zu helfen, die Zukunft zu kreieren, die wir uns vorstellen.

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