Multi-Akteurs-Partnerschaften (MAP) sind eine innovative Kooperationsform, die verschiedene Akteur*innen zusammenbringen, um an gemeinsamen Zielen zu arbeiten. Diese Form der partnerschaftlichen Zusammenarbeit ist insbesondere dann geeignet, wenn komplexe Herausforderungen angegangen werden sollen, die verschiedene Perspektiven erfordern. MAP fördern den Austausch von Wissen und Erfahrungen und bündeln Ressourcen. Dies kann zu nachhaltigen Lösungen führen und einen Mehrwert für jede*n beteiligte*n Akteur*in haben.

Was sind die wesentlichen Merkmale, die eine MAP von anderen Partnerschaftsformen unterscheiden?

Eine MAP unterscheidet sich von anderen Partnerschaftsformen, wie z. B. einem Netzwerk oder einem runden Tisch, vor allem durch Verbindlichkeit und gemeinsame Umsetzung: Mindestens drei Akteursgruppen aus unterschiedlichen Bereichen (Staat, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und/oder Wissenschaft) arbeiten über einen längeren Zeitraum an gemeinsamen Zielen. Sie stimmen Entscheidungen, Planung und Aktivitäten miteinander ab und übernehmen vereinbarte Beiträge und Verantwortlichkeiten. Dafür gibt es meist verbindliche Strukturen, z. B. einen Lenkungsausschuss, ein Sekretariat oder eine schriftliche Vereinbarung. Ziel ist, gemeinsam zu konkreten Ergebnissen und zu einem transformativen Wandel auf gesellschaftlicher Ebene beizutragen.

 

Hinweis: Die Übergänge zwischen den verschiedenen Partnerschaftsformen sind oft fließend; die folgende Abbildung zeigt die Unterschiede zwischen verschiedenen Partnerschaftsformen und kann bei der Einordnung helfen.

 

Welche Rolle spielen MAP bei der Umsetzung der Agenda 2030?

MAP sind entscheidend für die Umsetzung der Agenda 2030, die die globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) beinhaltet. Der konkrete Beitrag einer MAP hängt von ihrem Thema und ihren Zielen ab. Sie kann direkt auf ein oder mehrere der 17 SDGs ausgerichtet sein, z. B. auf Klimaschutz (SDG 13), Geschlechtergleichstellung (SDG 5) oder menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum (SDG 8). Auch SDG 17 „Partnerschaften zur Erreichung der Ziele“ hebt die Bedeutung dieser Partnerschaftsform hervor. Es sieht MAP als wichtigen Weg, Wissen, Expertise, Technologien und finanzielle Mittel zu mobilisieren und zu teilen. Zugleich können MAP Verbindungen zwischen verschiedenen SDGs sichtbar machen.

 

Auf unserer Website finden Sie einige Beispiele und eine Übersicht von MAP mit deutscher Beteiligung.

Wie können wir eine MAP gründen?

Jede*r Akteur*in kann den Start einer MAP anstoßen. Die Initiierungsphase kann die folgenden Schritte umfassen, die in der Praxis nicht unbedingt linear ablaufen müssen:

 

Prüfen, ob eine MAP das passende Format ist

Zunächst sollte geklärt werden, ob es ein grundsätzliches Interesse verschiedener Akteur*innen an der Bearbeitung einer Herausforderung gibt und ob eine MAP dafür tatsächlich geeignet ist. Dazu gehört auch die Frage, welche Partnerschaften und Initiativen bereits bestehen und ob sie sich daran anknüpfen lassen. So können Doppelstrukturen und Konkurrenz vermieden werden.

 

Relevante Akteur*innen identifizieren und eine Kerngruppe aufbauen

Erste engagierte Akteur*innen können z. B. in einer Stakeholder-Analyse andere relevante Akteur*innen aus Wirtschaft, Staat, Zivilgesellschaft und Wissenschaft identifizieren, priorisieren und ansprechen. Dabei kann sich bereits eine Kerngruppe von Akteur*innen bilden, die besonders daran interessiert sind, den Aufbau der MAP gemeinsam voranzutreiben. Vertrauen, Transparenz und ein wertschätzender Umgang sind hierbei von Anfang an entscheidend. Eine MAP kann zunächst mit wenigen Partner*innen starten und später weitere Akteur*innen aufnehmen.

 

Eine gemeinsame Vision und Ziele entwickeln

In Gesprächen oder Interviews mit potenziellen Partner*innen wird ausgelotet, ob ein gemeinsames Problem- und Zielverständnis besteht. Dabei sollte geklärt werden, was mit einer MAP erreicht werden sollte, worin der jeweilige Mehrwert für die unterschiedlichen Akteursgruppen liegt und welchen Beitrag die einzelnen Partner*innen leisten können, z. B. durch Expertise, Netzwerke, Wissen, Zeit oder finanzielle bzw. andere Ressourcen. Eine gute Grundlage für den weiteren Aufbau ist erreicht, wenn sich relevante Akteur*innen auf eine gemeinsame Zielsetzung, Vision und auf erste grundlegende Aktivitäten verständigen können.

 

Zusammenarbeit und erste Strukturen konkretisieren

Anschließend sollten mögliche Arbeitsbereiche, Rollen, Verantwortlichkeiten sowie Prozesse zur Entscheidungsfindung konkretisiert werden. Hilfreich sind klare Kommunikationswege, Meilensteine und Zwischenziele sowie ein gemeinsames Erwartungsmanagement. Der Handlungs- und Arbeitsbereich sollte zunächst möglichst klein und spezifisch gehalten werden. Auch individuelle „rote Linien“ der beteiligten Akteur*innen sollten transparent gemacht und berücksichtigt werden.

 

In die gemeinsame Gestaltung übergehen

Wenn Ziele und Rollen zwischen den beteiligten Akteur*innen geklärt sind sowie erste Vereinbarungen getroffen wurden, kann die MAP in die nächste Phase übergehen. Dann werden unter anderem Erfolgsindikatoren, Arbeitsweisen sowie Management-, Entscheidungs- und Kommunikationsprozesse verbindlicher festgelegt. Die Vereinbarungen können z. B. in einem Memorandum of Understanding festgehalten werden. Für den gesamten Prozess braucht es Zeit, Ressourcen, Vertrauen und die Bereitschaft, die Zusammenarbeit regelmäßig selbstkritisch zu reflektieren. Entscheidend ist, dass die unterschiedlichen Akteur*innen gemeinsam Verantwortung übernehmen und die Strukturen sowie die Haltung gleichberechtigte Zusammenarbeit ermöglichen.

 

Eine ausführliche Darstellung der ersten Schritte, Praxistipps und weiterführenden Tools bietet unsere Handreichung zu diesem Thema. Partnerschaften2030 berät Sie und unterstützt Sie beim Aufbau Ihrer MAP.

Wie lange besteht eine MAP typischerweise?

Für MAP gibt es keine festgelegte oder allgemein gültige Lebensdauer. Eine MAP entwickelt sich in der Regel über mehrere Phasen: Initiieren, Gestalten, Umsetzen und Weiterentwickeln. Diese Phasen gehen ineinander über und können je nach Situation unterschiedlich lange dauern. Einzelne Phasen können auch wiederholt durchlaufen werden, wenn sich Rahmenbedingungen verändern oder eine Anpassung der Strategie notwendig wird. Entscheidend ist daher weniger eine bestimmte Laufzeit als die Frage, ob eine MAP weiterhin einen Beitrag zur gemeinsamen Zielerreichung leisten kann.

 

Wenn die gemeinsamen Ziele erreicht sind, kann sie weiterentwickelt oder beendet werden. Wichtig ist dabei, die Erfahrungen und Ergebnisse zu dokumentieren und für andere Akteur*innen zugänglich zu machen. Die Aufrechterhaltung einer MAP ist ausdrücklich kein Selbstzweck.

 

Zusammenfassend lässt es sich sagen: MAP haben keine streng definierte Lebensdauer; sie bestehen so lange, wie die gemeinsame Zusammenarbeit sinnvoll und wirksam ist.

 

Mehr erfahren:
Phasen von MAP
Transformation von MAP

Wie sieht die Organisationsstruktur einer MAP typischerweise aus?

Unterschiedliche MAP haben unterschiedliche Organisationsstrukturen. Welche Governance-Struktur geeignet ist, hängt unter anderem von der Anzahl und Zusammensetzung der beteiligten Akteur*innen, den Zielen und Aktivitäten, dem Kontext, der Rechtsform und der Finanzierung ab. Grundsätzlich gilt: So kompliziert wie nötig, so einfach wie möglich.

 

Typischerweise besteht die Governance-Struktur aus mehreren Elementen:

 

Mitgliederversammlung: Sie umfasst in der Regel alle Mitglieder der MAP und dient dem Austausch sowie der gemeinsamen Willensbildung. Sie kann z. B. den Steuerungskreis wählen und strategische Mandate erteilen.

 

Steuerungskreis: Er übernimmt die strategische Steuerung der MAP und ist häufig paritätisch mit Vertreter*innen der verschiedenen Akteursgruppen besetzt. Zu seinen Aufgaben gehören unter anderem strategische Entscheidungen und die Festlegung des Entscheidungsmechanismus.

 

Sekretariat bzw. Geschäftsstelle: Es unterstützt die MAP organisatorisch und administrativ, begleitet die Prozesse und bereitet Sitzungen und Entscheidungen vor. Bei kleineren MAP kann diese Funktion auch von einem oder mehreren Partner*innen übernommen werden.

 

Arbeitsgruppen: Sie können eingerichtet werden, um fachliche Themen zu bearbeiten, Aktivitäten vorzubereiten oder umzusetzen und den Steuerungskreis inhaltlich zu unterstützen.

 

Sounding Board bzw. Beirat: Bei Bedarf kann ein beratendes Gremium eingerichtet werden, das zusätzliche Fachkenntnisse, externe Perspektiven und kritische Reflexion einbringt.

 

Beispiel einer Organisationsstruktur einer MAP:

 

Eine ausführliche Darstellung der Governance-Strukturen von MAP, ihrer Funktionen, typischer Gremien und Erfolgsfaktoren finden Sie in der Publikation zu den Governance-Strukturen in MAP.

Wie kann eine MAP erfolgreich werden?

Eine erfolgreiche MAP braucht vor allem eine gemeinsame Ausrichtung, verbindliche Zusammenarbeit und geeignete Strukturen. Ebenso wichtig sind eine gleichberechtigte Verantwortungsübernahme, klare Rollen und transparente Entscheidungsprozesse.

 

Damit die Zusammenarbeit langfristig funktioniert, sollten alle relevanten Akteur*innen einbezogen werden und gleichberechtigt zusammenarbeiten. Grundsätzliches Vertrauen, eine gemeinsame „Sprache“ und eine konstruktive Kommunikationsweise bilden dafür eine wichtige Grundlage. Ein neutrales Sekretariat mit angemessener Ressourcenausstattung kann die Koordination und das Prozessmanagement unterstützen und die Zielerreichung voranbringen.

 

Darüber hinaus braucht eine MAP insgesamt ausreichende personelle und finanzielle Ressourcen sowie einen klaren Fokus auf konkrete Ergebnisse. Regelmäßiges Monitoring, Evaluierung und gemeinsames Lernen helfen dabei, die Zusammenarbeit weiterzuentwickeln und auf veränderte Bedingungen zu reagieren. Auch die transparente Kommunikation von Erfahrungen und Ergebnissen stärkt die Legitimität und Unterstützung der Partnerschaft.

 

Nicht zuletzt sollte eine MAP ihren gesellschaftlichen und politischen Kontext im Blick behalten, relevante Entwicklungen und bestehende Initiativen berücksichtigen und sich mit anderen Partnerschaften und Akteur*innen vernetzen. So kann sie aus Erfahrungen lernen, Synergien nutzen und ihre Wirkung langfristig erhöhen.

 

Mehr erfahren:
Erfolgsfaktoren für MAP

 

Einige Beispiele:
Fünf Jahre Generation Equality: Ausblick bis 2030
Multi-Akteurs-Zusammenarbeit für Landverwaltung in Sierra Leone

Welche Herausforderungen gibt es bei MAP und wie können sie überwunden werden?

MAP bringen eine Vielzahl von unterschiedlichen Organisationen und Perspektiven zusammen, was manche Herausforderungen mit sich bringen kann. Hier sind einige Beispiele:

 

Herausforderung: Verschiedene Akteur*innen bringen unterschiedliche Werte und Erwartungen in die Partnerschaft ein, was zu Missverständnissen oder Konflikten führen kann.

Mögliche Lösung: Um ein gemeinsames Verständnis zu schaffen, könnte eine Veranstaltung am Start der Partnerschaft organisiert werden, in der alle Akteur*innen ihre jeweiligen Interessen und zugrundeliegenden Werte darlegen. Der Prozess würde das Entwickeln einer gemeinsamen Vision fördern und dazu beitragen, Transparenz über unterschiedliche Perspektiven zu schaffen.

 

Herausforderung: Die Vielzahl an Akteur*innen kann Entscheidungsprozesse verlangsamen und kompliziert gestalten.

Mögliche Lösung: Die Einführung eines Steuerungskreises, der aus Vertreter*innen aller beteiligten Akteursgruppen besteht, könnte Entscheidungsfindungen beschleunigen. Regelmäßiger Austausch und transparente Dokumentation der Entscheidungen sind ebenfalls essenziell, um alle Akteur*innen informiert zu halten.

 

Herausforderung: Rechtliche Unsicherheiten können den Fortschritt einer MAP behindern.

Mögliche Lösung: Frühzeitige rechtliche Unterstützung könnte helfen, potenzielle Probleme zu identifizieren und anzugehen.

 

Herausforderung: Eine unzureichende finanzielle Basis kann die Nachhaltigkeit der Partnerschaft gefährden.

Mögliche Lösung: Die Entwicklung nachhaltiger Finanzierungsmodelle ist entscheidend. Sie könnte unterschiedliche Formen annehmen, z. B. durch die Einführung von Mitgliedsbeiträgen, die Einbindung weiterer Geber*innen oder die Entwicklung eigener Einnahmequellen.

 

Durch die gezielte und strukturierte Ansprache jeder Herausforderung mit konkreten Lösungen und Beispielen können MAP effektiver gestaltet und die Chancen auf nachhaltigen Erfolg erhöht werden.

Wie messen MAP ihre Wirkungen?

MAP messen ihre Wirkungen nicht nur anhand ihrer Aktivitäten und unmittelbaren Ergebnisse, sondern auch darüber, welchen Beitrag die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteur*innen zu den angestrebten Veränderungen leistet und worin der Mehrwert der Partnerschaft selbst besteht.

 

Ein hilfreicher Ansatz zur Wirkungsmessung kann die gemeinsame Entwicklung eines Wirkungsnarrativs sein. Es beschreibt und visualisiert, wie die MAP mit ihren Ressourcen auf die angestrebte Wirkung hinarbeitet. Dabei werden der Wirkungspfad von den Inputs über Aktivitäten und Ergebnisse bis hin zur langfristigen Wirkung und die verschiedenen Wirkungsebenen sowie die Kontroll-, Einfluss- und Interessenbereiche betrachtet. Auf dieser Grundlage können MAP geeignete Indikatoren zur Wirkungsmessung festlegen und diese regelmäßig überprüfen. Neben thematischen Wirkungen können dabei auch Veränderungen auf der Partnerschaftsebene erfasst werden, z. B. das Verständnis und die Beziehungen zwischen den Mitgliedern, deren Ownership und Engagement. Für die Datenerhebung sind je nach Ziel und Kontext unterschiedliche Methoden geeignet, z. B. Umfragen, Interviews oder das Erfassen sogenannter Impact Stories. Wichtig ist dabei, die Ergebnisse anschließend gemeinsam zu reflektieren und für die Weiterentwicklung der MAP zu nutzen.

 

Weiterführende Informationen und praktische Hilfsmittel zum Thema Wirkungen von MAP finden Sie auf unserer Website. Erfahren Sie, wie das Wirkungsnarrativ bei der Entwicklung der Theory of Change von der Gender & Chemicals Partnership angewendet wurde.

Wie können MAP zur Förderung von Geschlechtergerechtigkeit beitragen?

MAP können Geschlechtergerechtigkeit fördern, indem sie Erfahrungen und Perspektiven von Frauen und anderen Rechteinhaber*innen, insbesondere von marginalisierten oder diskriminierten Personen, systematisch einbeziehen und Machtverhältnisse innerhalb der Partnerschaft sowie in ihrem Themenfeld berücksichtigen. Dafür sollten sie von Beginn an geschlechtsspezifische Auswirkungen analysieren, betroffene Gruppen und Gender-Expert*innen beteiligen und konkrete Ziele und Maßnahmen festlegen.

 

Geschlechtergerechtigkeit sollte dabei nicht als Einzelprojekt, sondern als Querschnittsthema verankert sein – in den Aktivitäten, Entscheidungsstrukturen und Arbeitsprozessen der MAP. Ein regelmäßiges Monitoring mit passenden Indikatoren, ausreichende Ressourcen und gemeinsame Reflexion helfen, Fortschritte zu überprüfen und Maßnahmen weiterzuentwickeln. So können MAP zu gerechteren und wirksameren Lösungen beitragen und Risiken vermeiden, die entstehen, wenn unterschiedliche Bedürfnisse und Lebensrealitäten unberücksichtigt bleiben.

 

Mehr erfahren:
Gleichberechtigung der Geschlechter in MAP

Noch Fragen? Wir helfen weiter!

Sie haben eine Frage, die auf unserer Website nicht beantwortet ist, oder benötigen konkrete Unterstützung für Ihre MAP? Dann wenden Sie sich gerne an Partnerschaften2030. Wir unterstützen und beraten MAP rund um ihre Gründung, Gestaltung, Umsetzung und Weiterentwicklung.

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